Jeder Tennisanfänger steht irgendwann ratlos auf dem Platz: Von welcher Seite muss ich jetzt aufschlagen? Die Antwort liegt im Spielstand — aber die Logik dahinter erschließt sich nicht sofort. Einstandseite und Vorteilseite folgen einem klaren System, das sich nach dem Punktestand richtet. Wer es einmal verstanden hat, vergisst es nicht mehr.
Die Begriffe klingen kompliziert, die Regel ist einfach. Bei geradem Punktestand schlägt man von rechts auf, bei ungeradem von links. Das gilt für jeden Punkt, in jedem Game, in jedem Satz. Richtig aufschlagen bedeutet, diese Regel zu verinnerlichen.
Dieser Artikel erklärt beide Seiten, gibt Merkregeln und zeigt die häufigsten Fehler, die Anfänger machen.
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Einstandseite erklärt
Die Einstandseite ist die rechte Seite des Platzes — vom Aufschläger aus gesehen. Hier beginnt jedes Game. Der erste Punkt wird immer von der Einstandseite aus geschlagen, diagonal ins rechte Aufschlagfeld des Gegners.
Der Name kommt vom englischen „Deuce“ — dem Einstand bei 40:40. Bei Einstand wird ebenfalls von rechts aufgeschlagen, weil die Gesamtzahl der gespielten Punkte gerade ist. Vier Punkte (40:40) sind gerade, also Einstandseite.
Die Regel lautet: Bei geradem Punktestand aufschlagen von rechts. 0:0 ist gerade (null Punkte gespielt). 15:15 ist gerade (zwei Punkte gespielt). 30:30 ist gerade (vier Punkte). 40:40 ist gerade (sechs oder mehr Punkte). In all diesen Situationen steht der Aufschläger rechts.
Jedes Jahr beginnen Millionen Menschen mit Tennis. Allein 2025 wagten 4,9 Millionen Amerikaner den Einstieg in den Sport — ein Rekord laut USTA-Daten. Für all diese Anfänger ist die Aufschlagseite eine der ersten Hürden. Sie wirkt willkürlich, folgt aber einer klaren Logik.
Die Einstandseite begünstigt bestimmte Aufschlagtypen. Rechtshänder können von hier leichter auf die Rückhand des Gegners zielen, wenn dieser ebenfalls Rechtshänder ist. Das macht diese Seite für den klassischen Slice-Aufschlag attraktiv. Linkshänder haben hier oft den Vorteil des Überraschungseffekts — ihr Aufschlag springt anders ab als erwartet.
Vorteilseite erklärt
Die Vorteilseite ist die linke Seite des Platzes — vom Aufschläger aus gesehen. Von hier wird aufgeschlagen, wenn die Gesamtzahl der gespielten Punkte ungerade ist. Der zweite Punkt eines Games (nach dem ersten bei 15:0 oder 0:15) kommt von links.
Der Name leitet sich vom „Advantage“ ab — dem Vorteil nach Einstand. Nach einem Einstand hat einer der Spieler einen Vorteil, und dieser wird von der linken Seite ausgespielt. Sieben Punkte (40:40 plus Vorteil) sind ungerade, also Vorteilseite.
Die Logik bleibt dieselbe: 15:0 bedeutet ein gespielter Punkt, ungerade, also Vorteilseite. 30:15 bedeutet drei gespielte Punkte, ungerade, also Vorteilseite. 40:30 bedeutet fünf gespielte Punkte, ungerade, also Vorteilseite. Die Zahl der gespielten Punkte entscheidet, nicht der Spielstand selbst.
Die Vorteilseite wird manchmal als „Ad-Court“ bezeichnet — eine Abkürzung für „Advantage Court“. Im Doppel ist die Positionierung hier besonders wichtig, weil der Netzspieler des Gegners näher an der Mitte steht und mehr Angriffsfläche bietet.
Für viele Spieler ist die Vorteilseite die Seite der Entscheidung. Hier fallen die Breakpoints, hier werden Games gewonnen und verloren. Die psychologische Dimension ist nicht zu unterschätzen — manche Spieler fühlen sich auf einer Seite wohler als auf der anderen.
Der Return von der Vorteilseite hat eigene Herausforderungen. Der Aufschlag kommt oft mit mehr Winkel, der Returner muss weiter aus dem Platz laufen. Gleichzeitig öffnet sich die Möglichkeit für den Inside-Out-Return — ein Schlag, der den Aufschläger in Bedrängnis bringt, wenn er gelingt.
Merkregel: Wie erinnere ich mich?
Die einfachste Merkregel: Zähle die gespielten Punkte. Gerade Zahl bedeutet rechts (Einstandseite), ungerade Zahl bedeutet links (Vorteilseite). Das funktioniert immer, in jeder Situation, unabhängig vom Spielstand.
Eine alternative Methode: Schaue auf die letzte Ziffer. Bei 0:0, 15:15, 30:30 oder 40:40 ist die Summe der Punkte durch zwei teilbar — also rechts. Bei 15:0, 0:15, 30:15, 15:30 und so weiter ist die Summe nicht durch zwei teilbar — also links.
Manche Spieler nutzen visuelle Anker. Sie merken sich: „Das erste Mal ist immer rechts.“ Dann wechseln sie nach jedem Punkt die gedachte Seite. Diese Methode erfordert Konzentration, funktioniert aber zuverlässig, sobald sie zur Gewohnheit wird.
Die Retention Rate im Tennis ist bemerkenswert: 80,4 Prozent der Spieler, die 2024 spielten, waren auch 2025 aktiv — ein Fünfjahreshoch laut USTA-Report. Wer diese grundlegenden Regeln verinnerlicht, gehört schnell zu den Bleibenden. Die Aufschlagseite ist kein Mysterium, sondern eine Gewohnheit.
Im Zweifel hilft der Blick auf den Schiedsrichterstuhl oder das Netz. Die Einstandseite liegt immer auf der Seite des Schiedsrichters (bei Standardanordnung). Im Training ohne Schiedsrichter orientiert man sich an der eigenen Startposition: Wo habe ich das Game begonnen? Dort ist die Einstandseite.
Häufige Fehler
Der klassische Fehler: den Spielstand mit der Seite verwechseln. „30:15 für mich, also bin ich im Vorteil, also Vorteilseite“ — falsch. Der Spielstand zeigt den Punktestand, nicht die Seite. Die Seite ergibt sich aus der Gesamtzahl der Punkte, nicht aus der Führung.
Ein weiterer Fehler: nach dem Seitenwechsel die Orientierung verlieren. Bei jedem ungeraden Spielstand (1:0, 2:1, 3:2 usw.) wechseln die Spieler die Seiten. Danach ist links plötzlich rechts — aus Sicht des Aufschlägers. Die Regel bleibt aber dieselbe: gerader Punktestand bedeutet Einstandseite, ungerader bedeutet Vorteilseite.
Anfänger vergessen manchmal, dass die Seite für beide Spieler dieselbe Logik hat. Der Returner steht diagonal gegenüber. Wenn der Aufschläger von der Einstandseite aufschlägt, steht der Returner ebenfalls auf seiner Einstandseite — beide sind auf ihrer rechten Platzhälfte.
Im Doppel kommt eine zusätzliche Komplexität hinzu: Die Seiten werden zu Beginn des Satzes festgelegt. Ein Spieler übernimmt alle Punkte auf der Einstandseite, der Partner alle auf der Vorteilseite. Diese Zuordnung gilt für den gesamten Satz und kann nicht gewechselt werden.
Die Seite als taktisches Element
Richtig aufschlagen ist mehr als Regelkunde. Die Wahl der Seite beeinflusst die Taktik. Auf der Einstandseite zielen viele Aufschläger auf die Rückhand des Gegners; auf der Vorteilseite öffnen sich andere Winkel. Wer die Geometrie versteht, nutzt sie.
Siehe auch Tennis Seitenwechsel.
Profispieler haben oft unterschiedliche Aufschlagstrategien für beide Seiten. Der Slice-Aufschlag von der Einstandseite zieht den Gegner weit aus dem Platz; der Kick-Aufschlag von der Vorteilseite springt hoch auf die Rückhand. Diese Variationen entstehen nicht zufällig — sie folgen der Geometrie des Courts.
Die besten Spieler denken nicht mehr über die Seite nach — sie fühlen sie. Nach tausenden Aufschlägen wird die Positionierung automatisch. Der Körper weiß, wohin er gehört, bevor der Kopf rechnet. Dieses Ziel sollte jeder Anfänger anstreben.
Im Profitennis werden Aufschlagmuster akribisch analysiert. Statistiken zeigen, dass manche Spieler auf der Vorteilseite öfter in die T-Linie zielen, auf der Einstandseite nach außen. Diese Tendenzen kennen die Gegner — und passen ihren Return entsprechend an. Die Seitenwahl ist nur der Anfang einer taktischen Kette.
Trainer empfehlen, beide Seiten gleichmäßig zu trainieren. Wer nur von der Einstandseite übt, entwickelt Schwächen auf der Vorteilseite. Die Balance zwischen beiden Seiten macht den kompletten Aufschläger aus. Im Match kommt jede Seite gleich oft vor — Vernachlässigung rächt sich.
Bis dahin gilt: üben, üben, üben. Die Regel ist einfach, die Umsetzung braucht Wiederholung. Nach einigen Wochen regelmäßigen Spiels wird die Frage „Von wo schlage ich auf?“ zur Selbstverständlichkeit. Und damit ist eine wichtige Hürde genommen auf dem Weg zum sicheren Tennisspieler.
Die Seite ist keine Nebensache, sondern der Rahmen für jeden Punkt. Wer sie beherrscht, kann sich auf das Wesentliche konzentrieren: den Aufschlag selbst, die Platzierung, den nächsten Schlag. Die Grundlagen schaffen Freiheit für das eigentliche Spiel.
Von der ersten Trainingsstunde bis zum Turniermatch bleibt die Logik dieselbe: gerade Summe rechts, ungerade links. Diese Einfachheit ist die Stärke der Regel. Sie braucht kein Nachdenken, nur Gewohnheit. Und Gewohnheit entsteht durch Wiederholung — auf dem Platz, bei jedem Aufschlag, Punkt für Punkt.
