Der Aufschlag im Tennis kennt zwei Extreme: das Ass und den Doppelfehler. Das eine bringt einen Punkt ohne Gegenwehr, das andere verschenkt ihn ohne Ballwechsel. Zwischen diesen Polen bewegt sich jeder Aufschläger — mit dem Ziel, möglichst viele Asse zu schlagen und möglichst wenige Doppelfehler zu produzieren.

Die Aufschlag-Extreme definieren Spielertypen. Manche setzen auf Risiko und akzeptieren Doppelfehler als Preis für mehr Asse. Andere spielen sicher und verzichten auf beide Extreme. Die Balance zwischen Aggression und Kontrolle macht den Unterschied zwischen einem guten und einem großartigen Aufschläger.

Dieser Artikel erklärt, was Ass und Doppelfehler bedeuten, wie Profis damit umgehen und welche Strategien helfen, die eigene Aufschlagquote zu verbessern.

Zurück zu tennis spielstand.

Was ist ein Ass?

Ein Ass ist ein Aufschlag, den der Gegner nicht berührt. Der Ball landet im Aufschlagfeld, der Returner erreicht ihn nicht — Punkt für den Aufschläger. Es ist der perfekte Aufschlag, der ideale Start in jeden Ballwechsel: kein Ballwechsel nötig, direkter Punktgewinn.

Die Geschwindigkeit spielt eine zentrale Rolle. Auf der ATP Tour werden erste Aufschläge regelmäßig mit über 200 km/h gemessen. Bei solchen Geschwindigkeiten hat der Returner weniger als eine halbe Sekunde Reaktionszeit. Selbst wenn er den Ball sieht, reicht die Zeit oft nicht für eine kontrollierte Antwort.

Doch Geschwindigkeit allein macht kein Ass. Platzierung ist mindestens ebenso wichtig. Ein Aufschlag mit 180 km/h in die Ecke kann effektiver sein als einer mit 220 km/h in die Mitte. Die besten Aufschläger kombinieren Tempo mit Präzision — und mit Variation, damit der Gegner nicht antizipieren kann.

Der Rekord für die meisten Asse in einem Match stammt aus dem legendären Wimbledon-Match 2010 zwischen John Isner und Nicolas Mahut. In diesem Marathon über 11 Stunden und 5 Minuten schlug Isner 113 Asse, Mahut 103. Der fünfte Satz endete 70:68 — ein Spiel, das die Einführung des Tie-Breaks im entscheidenden Satz bei allen Grand Slams beschleunigte.

Verschiedene Ass-Typen existieren je nach Platzierung. Das Ass durch die Mitte, das „T-Ass“, nutzt den kürzesten Weg ins Feld. Das Ass nach außen zieht den Gegner vom Platz. Das Ass auf den Körper überrascht durch fehlende Reaktionszeit. Große Aufschläger beherrschen alle drei Varianten.

Was ist ein Doppelfehler?

Ein Doppelfehler ist das Gegenteil des Asses: zwei verfehlte Aufschläge hintereinander. Erster Aufschlag ins Netz oder ins Aus, zweiter Aufschlag ebenso — Punkt für den Gegner. Kein Ballwechsel, kein Kampf um den Punkt, nur ein geschenkter Zähler.

Doppelfehler entstehen aus verschiedenen Gründen. Nervosität ist der häufigste: Der Druck des zweiten Aufschlags führt zu Verkrampfung, die Bewegung wird unrund, der Ball verfehlt das Ziel. Technische Mängel verstärken das Problem — wer keinen sicheren zweiten Aufschlag hat, lebt gefährlich.

Die mentale Komponente wiegt schwer. Nach einem verfehlten ersten Aufschlag steigt der Druck. Der Spieler weiß: Noch ein Fehler, und der Punkt ist weg. Dieses Wissen kann lähmend wirken. Die Hand wird unsicher, die Bewegung gehemmt — ein Teufelskreis, den viele Spieler kennen.

Profis produzieren durchschnittlich zwei bis vier Doppelfehler pro Match. Bei Amateuren liegt die Quote deutlich höher. Der Unterschied liegt in der Technik, aber auch in der mentalen Stärke: Profis haben gelernt, den Druck des zweiten Aufschlags auszublenden.

Manche Spielsituationen provozieren Doppelfehler. Bei Breakbällen gegen sich, bei wichtigen Punkten im Tie-Break, bei Matchbällen — immer dann, wenn der Druck am höchsten ist, steigt das Risiko. Die Statistik zeigt: In kritischen Momenten fallen mehr Doppelfehler als in neutralen Situationen.

Der Service Winner ist eine Zwischenstufe zwischen Ass und normalem Aufschlag. Der Gegner berührt den Ball, kann ihn aber nicht kontrolliert zurückspielen. Der Punkt geht trotzdem an den Aufschläger. Service Winner zählen nicht als Asse, sind aber fast ebenso effektiv — sie beenden den Punkt nach einem einzigen Schlag des Gegners.

Statistiken der Profis

Die Aufschlagstatistik trennt gute von großartigen Spielern. Wissenschaftliche Analysen von Grand-Slam-Matches zeigen, dass die Quote gewonnener Punkte auf dem ersten und zweiten Aufschlag zu den wichtigsten Erfolgsindikatoren gehört. Eine Studie des Journal of Human Sport and Exercise aus dem Jahr 2025 ermittelte, dass diese Werte mit über 94 Prozent Genauigkeit vorhersagen, wer ein Match gewinnt.

Die Ass-Könige der Tour sind meist groß gewachsene Spieler mit langen Hebeln. Ivo Karlovic, John Isner, Reilly Opelka — Namen, die für Aufschlagdominanz stehen. Ihre Körpergröße von über zwei Metern ermöglicht steilere Einschlagwinkel und höhere Geschwindigkeiten. Der Aufschlag ist ihre Hauptwaffe.

Doch auch kleinere Spieler können exzellente Aufschläger sein. Roger Federer, mit 185 cm kein Riese, gehört zu den besten Aufschlägern der Geschichte. Seine Stärke liegt in der Variation und Platzierung, weniger in der rohen Geschwindigkeit. Verschiedene Wege führen zum Ass.

Die Doppelfehlerquote variiert stark zwischen Spielern. Manche riskieren mehr und akzeptieren höhere Doppelfehlerraten als Preis für mehr Asse. Andere spielen konservativ und minimieren die Fehler. Beide Strategien können erfolgreich sein — entscheidend ist die Gesamtbilanz.

Auf verschiedenen Belägen ändern sich die Zahlen. Auf schnellen Plätzen wie Rasen fallen mehr Asse, weil der Ball tiefer abspringt und weniger Zeit zum Reagieren bleibt. Auf Sand ist es umgekehrt: Der hohe Absprung gibt dem Returner mehr Zeit, die Ass-Quote sinkt.

Tipps zur Vermeidung von Doppelfehlern

Der wichtigste Tipp: einen zuverlässigen zweiten Aufschlag entwickeln. Dieser muss nicht schnell sein, aber er muss ins Feld. Viele Trainer empfehlen den Kick-Aufschlag als zweiten Aufschlag — er springt hoch ab und ist schwer zu attackieren, ohne hohes Fehlerrisiko.

Routinen helfen gegen Nervosität. Vor jedem Aufschlag dieselben Bewegungen: Ball auftippen, tief atmen, Blick auf das Ziel. Diese Rituale schaffen Vertrautheit in Drucksituationen. Der Körper führt aus, was er tausendmal geübt hat.

Die Wurfhand verdient besondere Aufmerksamkeit. Ein schlechter Ballwurf führt zu schlechten Aufschlägen. Der Ball sollte immer an derselben Stelle landen — etwas vor dem Körper, auf der Schlagseite. Wer den Wurf kontrolliert, kontrolliert den Aufschlag.

Training unter Druck simuliert Matchsituationen. Übungen mit Konsequenzen bei Doppelfehlern — Liegestütze, Sprints, verlorene Punkte im Trainingsspiel — bereiten auf echten Druck vor. Wer im Training Druck erlebt, kann ihn im Match besser handhaben.

Videoanalyse deckt technische Schwächen auf. Oft sehen Spieler nicht, was sie falsch machen — erst die Aufnahme zeigt den abweichenden Ballwurf, die verkürzte Ausholbewegung, die fehlende Pronation. Moderne Smartphones machen solche Analysen für jeden zugänglich.

Die Kunst der Balance

Aufschlag-Extreme gehören zum Tennis. Das Ass ist der Traum jedes Aufschlägers, der Doppelfehler sein Albtraum. Zwischen beiden liegt das Spektrum aller möglichen Aufschläge — von aggressiv bis sicher, von riskant bis kontrolliert.

Siehe auch Tennis Aufschlag.

Die besten Aufschläger finden die richtige Balance für jede Situation. Bei 40:0 können sie riskieren; bei 30:40 spielen sie sicherer. Diese situative Anpassung unterscheidet Profis von Amateuren. Der Aufschlag ist nicht nur Technik, sondern auch Taktik.

Für jeden Spieler gilt: Den zweiten Aufschlag trainieren, bis er automatisch funktioniert. Wer seinem zweiten Aufschlag vertraut, kann beim ersten mehr riskieren. Diese Freiheit führt zu mehr Assen — und paradoxerweise auch zu weniger Doppelfehlern, weil der Druck sinkt.

Die Statistik erzählt am Ende die Wahrheit. Wer mehr Asse als Doppelfehler schlägt, hat eine positive Bilanz. Wer diese Bilanz in wichtigen Momenten halten kann, gewinnt Matches. Der Aufschlag bleibt der einzige Schlag im Tennis, den der Spieler vollständig kontrolliert — diese Kontrolle zu nutzen ist die Aufgabe jedes ambitionierten Spielers, vom Clubspieler bis zum Profi.